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Das „Unrechtssystem“, oder wie man Verbrechen schönredet

Posted on November 9 2014

In diesen Tagen hört man oft und aus vielen Politikermündern den Begriff „Unrechtssystem“ im Rückblick auf die Vergangenheit der DDR. Oft wird die Formel kopiert: „Dieser Staat war ein Unrechtssystem.“ Mich machen solche Äußerungen aggressiv, werden sie doch auch im Zusammenhang mit den Geschehnissen in den Jugend- und Behindertenheimen missbraucht.

Die DDR war kein Unrechtssystem; sie war ein Verbrechenssystem mit Verbrechern von der obersten Spitze der Regierung bis zum untersten Stasispitzel. Unrecht wäre es gewesen, wenn man Flüchtlinge, die erwischt wurden, ernsthaft ermahnt hätte. Was hatten diese Menschen getan? Sie haben versucht zu flüchten. Und es sollte legitimes Recht eines jeden Menschen sein, das Land zu verlassen, in dem er sich nicht wohlfühlt. Aber diese Flüchtlinge wurden in Zuchthäusern eingeliefert. Das mit schlimmste Zuchthaus in der ehemaligen DDR war in Bautzen. Die Menschen wurden nicht nur eingekerkert, sondern auch noch physisch und psychisch misshandelt. Die Überlebenden und heute Regierenden sollten nicht aufhören, die vielen tausend Taten, unter denen die DDR-Bevölkerung zu leiden hatte, als solche zu benennen, was sie waren: Verbrechen! Sonst schaden sie jenen, die unter diesen Verbrechen gelitten haben und psychisch und physisch zerstört wurden und die noch nicht einmal dafür entschädigt werden. Das haben Bund und Länder erfolgreich verhindert.

Auch in den Heimen geschahen täglich Verbrechen. Jungen und Mädchen aus dem Bereich Erziehungshilfe wurden geschlagen, auf einige der Hund gehetzt, sie mussten zwangsarbeiten und bekamen manchmal einen Fraß, den die Schweine verweigern. So überspitzt muss man es ausdrücken, um verständlich zu machen, dass dieser Fraß menschenunwürdig war. Manche wurden permanent bedroht, andere psychisch gequält. Unvergessen das kleine Mädchen, das von einer Nonne an den Haaren aus dem Bett gezogen und in den Garten geschleift wurde: „Du gräbst Dir jetzt Dein eigenes Grab!“ Unvergessen auch die Kinder, die in den Leichenhallen der aufgebahrten Nonnen eingesperrt wurden.

Unrecht geschah jeden Tag. Selbst das geringe Taschengeld, das den Heimkindern und –jugendlichen seitens der Kostenträger zustand, wurde stillschweigend von den Haus- und Anstaltsleitungen kassiert, bzw. erst gar nicht ausgezahlt. Das ist Unrecht.

Was viele tausend Male in der Bundesrepublik passierte, waren Verbrechen. Verbrechen aller Art und ich kenne inzwischen nicht ein Verbrechen, das ausgelassen wurde. Auch Morde sind passiert.

Die Tätervertreter formulieren diese Verbrechen gerne als Unrecht. „Den Heimkindern ist Unrecht geschehen.“ Das hört sich ja auch viel freundlicher an. Und selbst Heimkinder vergessen manchmal, dass die an ihnen verbrochenen Handlungen nichts anderes waren als Verbrechen. Sie wurden nicht von Menschen beaufsichtigt, die Unrecht getan haben. Dass waren Verbrecher und die Einrichtungen Verbrechensanstalten.

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