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Fakten, selbst komprimiert zusammengetragen, offenbaren ein moralisches Verbrechen: Der „Runde Tisch Heimerziehung“

Posted on January 7 2015

Wer den Blogeintrag des evangelischen Theologen Dierk Schäfer, Bad Boll, mit der Überschrift „Der Runde Tisch Heimerziehung, ein von Beginn an eingefädelter Betrug“ liest, zuckt unweigerlich zusammen.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/03/der-runde-tisch-heimerziehung-ein-von-beginn-an-eingefadelter-betrug/

Es stellt sich das Gefühl der Anmaßung und Unterstellung des Verfassers ein. Allerdings belegt Schäfer in komprimierter Form, wie der „Runde Tisch Heimerziehung“ (RTH) unter der evangelischen Theologin Antje Vollmer manipuliert wurde.

Schäfer beginnt mit der Feststellung: „Nachweislich hat nichts einen Weg ins offizielle Protokoll des Runden Tisches gefunden, was die Ziele der Mehrheit von staatlichen und kirchlichen Vertretern gestört hätte.“ Diese „Behauptung“ begründet er in 6 Punkten. So weist er beispielsweise darauf hin, dass der Zwischenbericht von Prof. Dr. Kappeler im Abschlussbericht nicht erwähnt wird. Kappelers Ausführungen „Zwischen den Zeilen gelesen - Kritik des ‚Zwischenberichts’ des ‚Runden Tisches Heimerziehung’“ sind auf der Homepage der Freien Arbeitsgruppe JHH 2006 zu finden.

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Statements_Prof__Manfred_Kappe/Kappeler_zu_Entwurf_Endbericht_RTH.pdf

Auch die Ausführungen von Dierk Schäfer, der selbst am RTH vorstellig wurde, aber sicherheitshalber sein Protokoll der Anhörung noch einmal einsandte. In seinem Blog unter der Überschrift „Anhörung Runder Tisch, 02. April 2009“ ist dieses Protokoll nachzulesen.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2009/04/05/anhorung-runder-tisch-2-april-2009/

Schäfer moniert auch, dass nicht der Blick über den Tellerrand gewagt wurde und entsprechend auch keine derartigen Hinweise im Abschlussbericht zu finden sind, so beispielsweise über die Aufarbeitung in Irland, über die Diskussion über die Höhe von Entschädigungen und über die Tatsachen, dass in anderen Ländern bereits von sehr hohen Entschädigungsleistungen an die Opfer zu lesen war. Die Forderungen der Westdeutschen Heimopfer werden nur andeutungsweise auf Seite 32 des Abschlussberichtes angeführt.

http://www.rundertisch-heimerziehung.de/documents/RTH_Abschlussbericht.pdf

Allerdings haben inzwischen rege Diskussionen und auf Initiative des „Vereins ehemaliger Heimkinder“ (VeH) und des Theologen Schäfer sogar Abstimmungen zur Frage der Entschädigung stattgefunden:

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Abstimmung_uber_den_Runden_Tis/abstimmung_uber_den_runden_tis.html

Während es in der Abstimmung von Schäfer um die Akzeptanz des Abschulssberichtes des RTH geht und dieser rundweg abgelehnt wurde, fordert der VeH „mindestens 300 € monatlicher Rente oder –wahlweise- eine Einmalzahlung von 54.000 € pro Person“.

Interessant auch die Auflistung unter dem Punkt "... die Pressionen, um allen sechs ehemaligen Heimkindern am Runden Tisch die Zustimmung zum Ergebnis abzuringen ...". Im Protokoll ist nichts darüber zu finden, wie diese Vertreter unter Druck gesetzt wurden. Darum ist es wichtig, die Beiträge von Rolf Breitfeld und Jonathan Overfeld immer wieder zu veröffentlichen. Hier ein Auszug dazu:

Rolf Breitfeld: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/09/breitfeld-info-rt.pdf

Jonathan Overfeld: http://helmutjacob.over-blog.de/article-es-gibt-kaum-noch-zweifel-marlene-rupprecht-mdb-spd-hat-gelogen-76990201.html

Im folgenden verweist Dierk Schäfer auch auf die Nichtberücksichtigung der „ehemaligen Heimkinder aus den Behindertenheimen die nach längeren Bemühungen von Herrn Wendelin mit einem Nebensatz schnöde abgefertigt wurden.“ Dieser Nebensatz ist noch einmal nachlesenswert: “Mit der Problematik der Behindertenhilfe sprechen Sie ein wichtiges und sensibles Thema an. … Daher wird sich der Runde Tisch ausschließlich mit der damaligen Heimerziehung im Bereich der Jugendhilfe in den ‚alten Ländern’ befassen können. … Wir aber müssen uns … in dem vorgegebenen Zeitrahmen auf die Jugendhilfe beschränken.“

In gleichem Brief wurde auch unsere Bitte, Dierk Schäfer an den RTH einzuberufen, abgeschmettert: “Auf Ihre Forderung, Herrn Schäfer dauerhaft an den Runden Tisch ‚einzuberufen’, möchte ich Ihnen mitteilen, dass die personelle Besetzung des Runden Tisches abgeschlossen ist. Die ehemaligen Heimkinder werden am Runden Tisch durch drei Betroffene vertreten. Um Kontinuität in der Zusammenarbeit zu gewährleisten, ist eine Veränderung dieser Zusammensetzung zur Zeit nicht geplant.“

http://gewalt-im-jhh.de/Runder_Tisch_-_Informationen_u/Runder_Tisch_210409.jpg

Frage 1: Werden behinderte Heimkinder nicht auch erzogen, besonders in den Fällen, in denen es sich um behinderte Schulkinder handelt? Frage 2: Stört der evangelische Pfarrer Dierk Schäfer die Kontinuität in der Zusammenarbeit? Es ist hier klar sichtbar, dass Kritiker am RTH unerwünscht sind. Schäfer hatte sich in seinem Vortrag am RTH kritisch geäußert, und das hat die Vorsitzende sicher nicht vergessen.

Zuletzt verweist Schäfer darauf, dass auch die Kinder in den Säuglingsheimen, die zu Opfern wurden, keine Berücksichtigung fanden. In der Tat wurde Dr. Carlo Burschel beim Runden Tisch Heimerziehung vorstellig, um auch diese Opfergruppe zu thematisieren. Über den Umgang mit Dr. Burschel gibt ein Leserbrief Auskunft: „Dr. Burschel war vom RTH eingeladen worden, zu dem Thema zu referieren. Im Diakonie-Forum ist das Thema breit diskutiert worden. Dr. Burschel musste draußen vor der Tür warten, man hatte ihm nicht einmal einen Stuhl, geschweige denn einen Kaffee angeboten. Dem RTH lagen Folien vor, die Dr. Burschel für seinen Vortrag mitgebracht hatte, Warum die Folien nicht Bestandteil des AB waren…darüber kann man nur spekulieren.“ https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/03/seit-5-jahren-uberfallig-die-frage-der-ehemaligen-heimkinder-mit-behinderung/#comment-6491

Burschels Ausarbeitungen finden sich auch zusammengefasst wieder: http://www.vehev.org/images/Dr.%20Carlo%20Burschel.pdf

Diese komprimierte Zusammenfassung der Manipulationen am RTH lassen ausschließlich den Schluss zu, dass es sich hier von Anfang an um ein eingefädeltes Betrugsmanöver in Abstimmung mit Vertretern der Täterseite handeln muss. Die Heimopfer in den beiden Nachkriegsjahrzehnten wurden durch diese Lügen, Unterschlagungen von Fakten und Tricksereien allerdings erneut bestraft. Sie erhalten nicht die Entschädigung, die sie im Alter brauchen, um ein würdevolles Leben zu führen. Denn wir dürfen nicht vergessen: Der Heimaufenthalt hat vielen Opfern den Weg ins Arbeitsleben und in die Gesellschaft überhaupt versperrt. Sie haben nie oder kaum ein solches Leben führen können, das ihnen berufliche und soziale Anerkennung mit einer Altersabsicherung ermöglicht hätte. Man hat sie mit Almosen abgespeist und darum müssen sie auch noch betteln. Jeden Cent der verwendeten Gelder müssen sie begründen und bei nicht richtliniengemäßer Verwendung wieder zurückzahlen. So geschieht es nun einem Opfer, von dem der Landschaftsverband Rheinland bereits gezahlte Gelder zurückgefordert hat.

So entpuppt sich dieser Betrug eigentlich als ein Verbrechen, das aber nicht strafbar ist, denn es ist ein moralisches Verbrechen an den Heimkindern. Und dafür interessiert sich kein Staatsanwalt und kein Richter. Umso wichtiger ist es, dass dieses Verbrechen immer wieder im Internet nachlesbar bleibt. Darum fordere ich auch alle Homepage- und Blogbetreiber auf, ihre Seite nicht zu ändern oder Links zu löschen. Jeder nicht mehr aufzufindende Link spielt in die Hände der Täter und Tätervertreter.

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