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Unwort des Jahres 2014: "Lügenpresse" - Und doch: Etwas ist dran.

Posted on January 15 2015

Die deutsche Presse, die Journalistenschaft, läuft Sturm. Die Pegida brüllt ihr bei jeder Demo "Lügenpresse" entgegen und wedelt entsprechende Plakate. Was eine pauschale Verunglimpfung ist, zeigt sich in Kleinem aber auch als Wahrheit.

Die Blödzeitung beispielsweise wurde oft genug der Lügen überführt. Aber gelegentlich findet man auch Wahrheiten über Suchmaschinen, die von dieser Zeitung gebracht und woanders unterdrückt werden. So ein Beispiel von Volksverarschung: Die Politikerdemo in Paris aus Anlass des Attentats auf Karikaturisten. Dem Fernsehzuschauer und Zeitungsleser wird suggeriert, dass die Politiker in den ersten zwei Reihen eine große Schar Demonstranten anführen. Aus neueren Berichten weiß man inzwischen, dass zwischen ihnen und dem "Fußvolk" eine große Lücke geklafft haben muss, ja, sogar der Politdemonstrationszug in einer Nebenstraße stattgefunden haben soll.

http://www.taz.de/Bilder-des-Trauermarschs-von-Paris/!152788/

http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_72472210/charlie-hebdo-trauermarsch-in-paris-inszenierung-der-politiker-demo-.html

Unvergessen auch die Luftsprünge Merkels bei einem Tor der Deutschen Fußballmannschaft, die nach der Live-Übertragung wohl nicht mehr gezeigt wurden. Auch sei an jenen peinlichen Schwitzfleck unterm Arm der Kanzlerin erinnert, den BR-Online wegretuschierte:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/br-online-wie-merkels-fleck-weg-kam-a-367054.html

Hier Original und Retusche: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/grossbild-367054-497912.html

Und wie viele Interviews mit Promis, Prinzen und sogenannten Adeligen in Frauenzeitschriften abgedruckt wurden, die allerdings niemals stattfanden, lässt sich kaum noch abschätzen. Auch einige die in Fernseh-Talk-Shows agieren und sich als Journalisten bezeichnen, ruinieren den Ruf der Zunft. Dazu äußerte der Satiriker Georg Schramm treffend: "Interessensverbände machen die Politik. Die ziehen die Fäden, an denen politische Hampelmänner hängen, die uns auf der Bühne der Berliner Puppenkiste Demokratie vorspielen dürfen. Diese Politfiguren dürfen dann in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren. Und wenn bei der intellektuellen Notdurft noch was nachtröpfelt, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unter das Volk mischen."

http://www.georg-schramm.de/html/portrait__sz.html

Aus meinem näheren Umfeld weiß ich aus jahrelanger Beobachtung, dass die Presse nicht nur in den Kommentaren Meinungsbildung betreibt. Meine zwei Heimatszeitungen konnte man nach Parteizugehörigkeit der Zeitungsmacher bis in die Lokalredaktionen hinein unterscheiden. Wie mahnte der ehemalige Tagesschaumoderator Hans Joachim Friedrich wenig vor seinem Tod? „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Joachim_Friedrichs

Recht hat er, doch diese Mahnung wird zunehmend mehr in den Wind geschlagen.

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