Overblog Follow this blog
Edit post Administration Create my blog

Dierk Schaefers Blog: Unterschiedliches Tempo für Asylanträge?

Posted on August 24 2015

Posted in Politik by dierkschaefer on 24. August 2015

Das ist nichts Neues. In den 80er Jahren fuhr ich den ghanaischen Bischof Sarpong durch einige Aufnahmelager zu Gesprächen mit Asylbewerbern aus Ghana. Er wurde dort freundlich begrüßt und traf auch auf einige seiner ehemaligen Firmlinge.

Die Lage war recht eindeutig. Ganze Dörfer hatten Geld zusammengelegt, damit jemand aus ihrem Dorf nach Europa gehen und mit Geld zurück kommen kann.

Nun saßen sie im Aufnahmelager gemäß dem kolonial-rassistisch gefärbten Ausspruch von Lothar Späth: „Die Buschtrommeln werden in Afrika signalisieren – kommt nicht nach Baden-Württemberg, dort müßt ihr ins Lager.“[1]

Doch schon in den 80er Jahren verstanden viele Afrikaner „die Trommel nicht mehr“[2]. Ein Vater schrieb seinem Sohn, wenn es in Deutschland mit dem Geld nicht klappe, solle er doch versuchen, nach England zu gehen.

Und so hatten „meine“ Polizisten in einem neu eingerichteten Lager zusätzliche Aufgaben. Der dem Lager nächst gelegene Supermarkt beklagte die Diebstähle der männlichen Ghanaer, während manche Ghanaerinnen dem ältesten Gewerbe nachgingen. Auf Sprachbarrieren stießen nur die Polizisten. Also brauchten wir einen kommunikationsfähigen Ghanaer.

Über das Tübinger Tropeninstitut konnte ich den Bischof „organisieren“. So kam ich dazu, als evangelischer Polizeipfarrer einen katholischen Bischof zu chauffieren. [3]

Als Ergebnis konnte ich formulieren: Angesichts der Lagermentalität der Politiker (Späth) sehe ich zwei Wege. Die Anträge von Asylbewerbern aus Ländern mit geringer Anerkennungswahrscheinlichkeit sollten – ohne Verkürzung des Rechtsweges – beschleunigt bearbeitet werden. Wer dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Asylantrag bewilligt bekommt, wird eher bereit sein, das Lager durchzustehen, ohne Probleme zu schaffen.

Das konnte ich damals nicht so recht verständlich machen, weder der Polizei, noch meinen Kollegen.

[1] http://www.lotta-magazin.de/ausgabe/51/selbstherbeigef-hrter-unterbringungsnotstand

so auch: http://www.freiburger-forum.net/aktuell/page/2/http://nolagerfreiburg.blogsport.de/2015/07/17/gegen-jede-diskriminierende-sonderbehandlung-von-personengruppen-gegen-die-unterbringung-von-gefluechteten-in-sammellagern-fuer-die-dauerhafte-aufnahme-von-gefluechteten/

[2] Den Kulturbruch beschreibt bereits 1973 eindrucksvoll John Gay in „Red Dust on the Green Leaves“.

[3] Ein Schmankerl nebenbei: Wir unterhielten uns in meinem „Bully“ über vieles. Ich sagte ihm, es wäre gut, wenn der nächste Papst auch äußerlich ein Schwarzer sei. Da lachte der Bischof. Ich setzte nach: Der übernächste Papst könnte doch auch gut eine Frau sein. Da lachte der Bischof nicht mehr. – Wie ich jetzt las, hat er sich von einem liberalen Theologen zu einem konservativen entwickelt – da war er aber auch Erzbischof geworden.http://www.ghananation.com/biography/17126-archbishop-peter-kwasi-sarpong.html

Comment on this post