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Ohne Verstand – Wunschzettel der Stadtverwaltung Wetter (Ruhr)

Posted on November 24 2015

Benötigte Spenden

- TV-Geräte aller Art, ob groß oder klein

- Sat-Receiver + Sat-Schüsseln mit LNB

- DVBT-Receiver mit Antenne

Kleinmöbel, wie

- Wäschekommoden

- Anrichten

- Nachttische

- TV-Schränke

- kleine Garderoben

- kleine Schränke

Mein Kommentar:

„Ja geht es noch?“, möchte man losbrüllen, „Darf es auch noch ein Kleinwagen sein oder zumindest ein Smartphone?“ Man möchte in das Stammtischjargon verfallen angesichts dieser Reihenfolge der Wünsche für das Wohlbefinden der Asylanten. Aber, bevor ich in die braune Ecke gestellt werde sei eins schon jetzt deutlich gesagt. Sie brauchen einen Fernseher, wenn sie ihn nicht haben. Sie brauchen ein Handy, wenn sie es nicht haben. Den Fernseher, um sich über die politische Lage zu informieren, das Handy, um den Kontakt zu ihrer Verwandtschaft aufrechtzuerhalten. Viele haben ein Handy, weil sie ohne den Weg zu uns nicht gefunden hätten.

Aber an erster Stelle muss Kleidung stehen! Und an zweiter ggf. auch. Nach wochenlanger Wanderung stinken die Asylanten – wie einer selbst im Fernsehen eingestand und was völlig nachvollziehbar ist – fürchterlich. Darum brauchen sie mehrere Garnituren Kleidung. Für die Lebensmittelversorgung muss man nicht spenden, allenfalls an die Tafeln.

An zweiter Stelle muss die menschenwürdige Unterkunft stehen.

Und an dritter und nachfolgenden Stellen Gebrauchsgüter des täglichen Lebens. Ob dazu auch TV-Schränke gehören müssen, - na ja, wenn sie doch über sind.

Und jeder, der Verstand hat, führt ganz unten auf dem Wunschzettel Fernseher und Smartphones auf. Allerdings dies mit Begründung! Damit kein Stammtischgejohle aufkommt.

Ohne Verstand wurde der Wunschzettel bereits darum verfasst, weil beispielsweise manche Heimbewohner sich die Anschaffung eines Fernsehers nicht leisten können und den ganzen Tag bettlägerig an die Decke starren, oder sitzend aus dem Fenster. Außerdem spielen solche Wünsche, schriftlich fixiert, der „braunen Soße“ in die Hände.

Es ist bereits Jahrzehnte her, da erzählte mir ein befreundetes, inzwischen verstorbenes, holländisches Ehepaar folgende Geschichte: Ein Asylant habe einen Leserbrief an eine Zeitung geschrieben und dieser wurde veröffentlicht. Er sei jetzt schon ein Jahr in Holland und habe immer noch kein Auto und keinen Fernseher. Das empfinde er als ganz schlimm. Den Ausdruck Shitstorm scheint es damals noch nicht gegeben zu haben, aber eine Flut von Leserbriefen ergoss sich über alle Gazetten. Und in dem bis dato fremdenfreundlich gestimmten Land kippte die Stimmung. Ich weiß nicht, wie es um die Willkommenskultur der Holländer jetzt bestellt ist, aber Holland rappelt sich auch moralisch immer wieder auf.

Meine Empfehlung:

Bei diesen sensiblen Themen nicht den Thomas de Maizière herauskehren – der spricht ebenso kopflos -, sondern erst nachdenken und die Konsequenzen des Geschriebenen abwägen.

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