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„Was wollt Ihr denn hier?“ – Nachruf auf „Schmidt Schnauze“

Posted on November 12 2015

Gestern habe ich noch geblogt, unter welchen Umständen ich Helmut Schmidt das erste Mal begegnete (Später traf ich ihn noch einmal in der Westfalenhalle zusammen mit Willy Brandt.). Eine Stunde später las ich: Schmidt ist sehr krank und nicht mehr ansprechbar. Nun ist er gestorben.

Was wird bleiben von Schmidt? Welchen Rang nimmt er in der Reihenfolge der Bundeskanzler ein?

Da ist der „Alte von Rhöndorf“, Konrad Adenauer: Er hat die mögliche Wiedervereinigung gegen die Bundeswehr aufs Spiel gesetzt. Sein Nachfolger Ludwig Erhardt predigte „maßhalten“ und rauchte wohlbeleibt Zigarren der teuren Sorte. Dafür flogen ihm am Burghotel Volmarstein im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung Eier an den Kopf. Kurt Georg Kiesinger wurde von Beate Klarsfeld geohrfeigt, weil er in den NS-Zeiten Sympathisant des Diktators war.

https://www.youtube.com/watch?v=rHuUX-1KmsY Klarsfeld Kiesinger

Willy Brandt war kein Frauenverächter; aber er betrieb Ostpolitik durch Annäherung. Helmut Schmidt – um ihn geht es; mehr an anderer Stelle. Helmut Kohl, glorifiziert als Wiedervereinigungs-Kanzler (wobei die Verdienste von Gorbatschow gern vergessen werden), war doch der Skandalkanzler der Jahrzehnte nach dem Krieg. Stichworte: „Wörner-Kießling“, Parteispendenskandal, „Hengstbissigkeit“ (Er verdrängte jeden, der seiner Macht gefährlich werden konnte.). Gerhard Schröder kürte Wladimir Putin zum „lupenreinen Demokraten“ und ist jetzt Uhrenableser bei Gazprom. Angela Merkel, „Mutti“ oder von Asylanten als „Mama“ plakatiert, demontiert sich derzeit selbst und wird von ihrer Partei auseinandergenommen.

Sie alle werden vergehen wie Schall und Rauch. Und wenn sie einen Platz in den Geschichtsbüchern finden, ist dieser zeilenweise sicher ungerechtfertigt. An sie denkt heute kaum ein junger Mensch; an Merkel noch, aber sie wird auch als Bundespräsidentin gehandelt. Und das zeigt schon heute ihre Bedeutungslosigkeit. Schmidt ist in vielen Köpfen ein Begriff, auch in vielen jungen.

Schmidt war bis heute der einzige intellektuelle Bundeskanzler und das wird, fürchte ich, noch lange so bleiben. Er war ein an- und aufregender Rhetoriker ohne Sprechblasen. Er war bis zuletzt blitzgescheit. Auch er hatte seine Fehleinschätzungen. Beispielsweise findet nach seiner Meinung in den letzten Jahren keine Klimakatastrophe statt. Die schmelzenden Eisberge hat er wohl ignoriert. Aber auch Schmidt war Mensch und durfte sich irren.

Ach ja: Der Begriff „Schmidt Schnauze“ hat ihn nach seinem Bekunden eher geehrt.

Verspätete Veröffentlichung wegen massiver Leitungsprobleme zum Internet

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