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Opfergruppe an Kanzlerin: Wer, wenn nicht Sie, kann wieder Gerechtigkeit herstellen?

Posted on June 26 2016

Freie Arbeitsgruppe JHH 2006

Sprecher: Klaus Dickneite Tel.: 0173 6220200

Alle Zuschriften an:

Helmut Jacob

Am Leiloh 1

58300 Wetter

E-mail: email@gewalt-im-jhh.de

www.gewalt-im-jhh.de

Wir dokumentieren zur Information aller Ehemaligen den

Schriftverkehr und die Reaktionen auf der Homepage. Bitte

vermerken Sie, wenn Ihr Beitrag nicht veröffentlicht werden soll.

23. Juni 2016

An die Bundeskanzlerin

der Bundesrepublik Deutschland

Frau

Dr. Angela Merkel

Bundeskanzleramt

10557 Berlin

Fax: 030184002357

Ungleichbehandlung in der Hilfe für behinderte Heimopfer und Opfer der Psychiatrie

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!

Am 16. Juni dieses Jahres wurde im Bundeskanzleramt über die Höhe der Leistungen für oben genannte Gruppe entschieden. Der Kreis hat sich auf eine Pauschalhilfe von 9000 € und auf einen Rentenausgleich von maximal 5.000 € geeinigt.

Dies ist eine Ungerechtigkeit und wird nicht nur von behinderten Opfern auch so gesehen, weil die Opfer aus dem Bereich der Erziehungshilfe Pauschalleistungen von 10.000 € und Rentenersatzleistungen von bis zu 25.000 € erhalten haben. Offensichtlich hat man Sie über diese Ungerechtigkeit nicht informiert, sonst hätten Sie dieser Entscheidung mit Sicherheit nicht zugestimmt.

Sicher hat man Ihnen auch nicht mitgeteilt, dass Zwangsarbeit in den Heimen für behinderte Kinder ebenfalls an der Tagesordnung war. Es ist durch Historiker dokumentiert und in allen Behinderteneinrichtungen Tatsache gewesen, dass permanente, durchgängige Personalnot herrschte. Keine Behinderteneinrichtung hätte in den Nachkriegsjahrzehnten existieren können, wenn die Heimbewohner nicht gezwungen worden wären mitzuarbeiten. In einem Fall musste eine Neunjährige beispielsweise ca. 20 Paar Schuhe putzen und wurde gezüchtigt, wenn sie dies angeblich nicht ordentlich tat. Wenige Jahre später musste sie körperliche Pflege übernehmen. Dabei musste sie menstruierende Mädchen reinigen und ihnen neue Monatsbinden anlegen. Der Einsatz in der Pflege war auch bei den Jungen ganz normal. Am Beispiel „Johanna-Helenen-Heim“ kann dieses verdeutlicht werden. In den 50er Jahren waren auf der Jungenstation lediglich zwei Schwestern für 31 Kinder, nur eine Schwester für sogenannte Kleinkinder oder angeblich nichtbeschulungsfähige Kinder auf der Kleinkinderstation und zwei Schwestern für 24 Mädchen zuständig. Erst Anfang der 60er Jahre kam auf jede Station ein Diakonieschüler oder eine Diakonische Helferin dazu.

Mit diesem Wissen, das in den Büchern der Historiker Schmuhl/Winkler nachzulesen ist, werden Sie sicher diese Ungerechtigkeit erkennen.

Wer, wenn nicht Sie, kann wieder Gerechtigkeit herstellen? Darum bitten wir Sie.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Jacob

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