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Dierk Schaefers Blog: Kinder als Versuchskaninchen

Posted on September 20 2016

...

Arzneimittelstudien an Heimkindern kamen angeblich nur selten vor. Das sieht aber anders aus. Die Studie[1] nennt es „ein Versäumnis des Runden Tisches Heimkinder“ und fragt, „warum es der RTH abgelehnt hat, sich mit diesem Thema näher zu befassen.“

Als pauschale Antwort bietet sich an, dass der Runde Tisch unter Vorsitz von Antje Vollmer offensichtlich bemüht war, die Verantwortlichkeiten nicht ausufern zu lassen. Die staatlichen und kirchlichen Heime und ihre Schwarze Pädagogik[2] konnte man schlecht aussparen, dafür aber deren finanzielle Risiken gering halten. Doch für die Medikamentation waren nicht nur die verabreichenden Mitarbeiter der Einrichtungen verantwortlich, sondern große Firmen, die in den Heimen Versuchsreihen starten konnten,[3] Versuchsreihen, die von Medizinern geplant wurden, deren Berufsbiographien in zahlreichen Fällen bruchlos in die Zeit zurückreichten, in denen sie für NS-Verbrechen verantwortlich waren.[4] – Damit hätte man die Pharma-Firmen belastet. Das wollte Frau Vollmer wohl nicht.

Auch im Falle der Zwangsarbeit[5] hat sie abgeblockt und damit heute noch bestehende und renommierte Firmen unter ihren Schutzmantel[6] genommen. [7] [8]

Mir fallen keine unverfänglichen tiefer schürfenden Antworten auf die Frage ein, warum es der RTH abgelehnt hat, sich mit diesen Themen näher zu befassen.

Die Sache mit den Medikamententests an nichteinwilligungsfähigen Personen ist leider ein aktuelles Thema geworden.[9]

Fußnoten

[1] http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Pädagogik

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/02/03/demenz-die-medikamente-dafuer-wurden-an-heimkindern-getestet/

[4] Die „Moderatorin“ des Runden Tisches, die den Begriff Zwangsarbeit nur für Nazi-Zwangsarbeit verwendet sehen wollte. Sie sah darüber hinweg, daß die „Arbeitstherapeuten“ in den Heimen vielfach ehemalige SA-Leute und die Gutachter einschlägig belastet waren. In den Heimen – kirchlich wie staatlich – hatten wir die Fortsetzung des Nazi-Systems. Frau Vollmer in ihrer grün-christlichen Bigotterie hat das nicht bekümmert. Sie sprach zwar von erzwungener Arbeit, bat jedoch die Profiteure nicht zur Kasse und sah völlig darüber hinweg, daß es Zwangsarbeit nicht nur für Jugendliche gab, sondern auch für Kinder.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/06/17/zwangsarbeit-in-ost-und-west-was-sind-die-unterschiede/

[5] https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/05/05/zwangsarbeit-nicht-nur-fur-ikea/

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzmantelmadonna

[7] Die Zwangsarbeit. Eine geringe Pauschalentschädigung als Rentenersatz gibt es, anders als in Irland, bei uns nur für Jugendliche, die Zwangsarbeit leisten mußten, wobei der Begriff Zwangsarbeit peinlichst vermieden wird. Es gibt keine Lohnnachzahlung, weder von den kirchlichen, noch von den staatlichen Einrichtungen, die von der Zwangsarbeit profitiert haben. Auch nicht von der Privatwirtschaft, die gut an den Kindern verdient hat. Es schien wohl nicht opportun, die Betriebe, darunter Firmen mit großer Bedeutung, zwangszuverpflichten. Zwangsarbeit ja, Zwangsentschädigung nein.

Und für die Zwangsarbeit von Kindern gibt es GAR NICHTS.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/07/09/er-ist-ein-priester-du-must-ihm-gehorchen/

[8] Antje Vollmer, Moderatorin des westdeutschen Runden Tisches für ehemalige Heimkinder, mied wie der Teufel das Weihwasser die Anwendung des Begriffs Zwangsarbeit auf die Ausbeutung der ehemaligen Heimkinder (West!) durch respektable Industriebetriebe und einzelne Bauern. Sie wollte den Begriff ausschließlich für die Zwangsarbeit für Nazi-Deutschland gelten lassen. Und so tauchten weder der Begriff noch der Sachverhalt im Abschlußbericht des Runden Tisches auf. Die Nutznießer der Zwangsarbeit wurden nicht nur nicht am Fonds beteiligt, sondern blieben unerwähnt. https://dierkschaefer.wordpress.com/2013/09/29/zwangsarbeit-ost-und-zwangsarbeit-west/

[9] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/05/25/medikamententests-und-nicht-einwilligungsfaehige-personen-ein-ideales-menschenmaterial/

Ähnlich

Heimkinder zur Einnahme von Psychopharmaka gezwungenIn "heimkinder"

Demenz? Die Medikamente dafür wurden an Heimkindern getestet. In "Ethik"

Behinderte? Die sind doch so schön victimogen!In "Deutschland"

Tagged with: DDR-Heimkinder, ehemalige Heimkinder, Entschädigung, heimkinder, Kinderheime, kindeswohl,Kirche, Kirchen, Medizin, Missbrauch, Misshandlung, Opfer, Runder Tisch, Staat, Versuchskaninchen,Zwangsarbeit

3 Antworten

1. ekronschnabel said, on 20. September 2016 at 14:31

Man gehe auf die Homepage von Antje Vollmer – und dort trifft man auf die geballte Bigotterie dieser Kirchentante mit grünem Mäntelchen. Warum sie lavierte wie sie lavierte? Sie erhob sich zur Richterin in eigener Sache, die in ihrer Kirchenverbundenheit ruht. Wenn man am RTH ehrlich gearbeitet hätte, wären die

Verbrechen der Kirchen und deren Drecksfirmen = Heime noch stinkender hervorgetreten. Antje und ihre

Brüder im Glauben schämten sich keinesfalls, erneut Verbrechen an den Opfern zu begehen. Sie wussten ja, dass man sie nicht juristisch belangen kann. Und moralische Verpflichtungen gegenüber den Opfern der Kirchenganoven? Pipikram, da steht man drüber, ging und geht doch nur um Heimkinder. Medikamentenversuche, na und? Scheissegal, ob ein paar mehr oder weniger dieser Heimbastarde verrecken oder nicht, die Jugendämter sorgten schon dafür, dass neue Sex- und ZwangsarbeiterInnen nachgeliefert wurden!

„Was wollt ihr eigentlich noch von mir?“ fragt die Vollmer heute. Die muss ihre Pfoten nicht mal in Unschuld waschen,das Weib trug schon am RTH Gummihandschuhe und Fischerstiefel, weil sie genau wusste, dass sie am Ende ihrer „Moderation“ bis zu den Hüften in der Scheisse steht, die sie und die anderen Knilche aus der Ecke der Täternachfolger anrührten.

Die Frau Ex- und hopp – Bundestagspräsidentin…ein herrliches Beispiel für bigotte, größenwahnsinnige, menschenverachtende und ekelhaft auftretende,abgebrühte Kirchenleute. Stalin, dessen krankes Denken und Handeln ich verabscheue, lag aber in einem Punkt richtig: Weg mit allem, was KIRCHE heisst!

Antworten

dierkschaefer said, on 20. September 2016 at 15:03

Das ist nett, lieber Herr Kronschnabel, dass Sie die Kirchenleute, die Sie meinen, genauer beschreiben. Das ist eine in welchem Umfang auch immer begrenzte Gruppe. Das lässt den Möglichkeit offen, dass es darüber hinaus auch anständige Leute geben könnte. Ich kenne viele davon, und sie verstehen sich als Kirche.

Antworten

2. Helmut Jacob said, on 20. September 2016 at 15:37

Dass Vollmer und andere moralische Dreckspatzen dieses Thema nicht an den RTH gelassen haben, ebenso nicht das Thema „Behinderte Heimkinder“ und „Zwangsweise in die Psychiatrien Eingewiesene“ ist verständlich. Der Dreckhaufen würde so hoch wachsen, dass der gesamte RTH in der Scheiße ersticken würde. Die Dame wusste genau, wo es heikel wird. Und die Kirchenadvokaten ebenso. Dabei haben sie sich dreier, völlig überforderten „Heimopfervertreter“ bedient, die nicht einmal erwünscht waren. Sie haben diese drei für ihre schmutzigen Machenschaften missbraucht. Hätten sie diese Themen aufgearbeitet, wären Milliarden auf Staat, Länder und Kirchen zugekommen. Sie hätten sich in ihrer moralischen Verkommenheit nicht mehr hinter 10.000,-€ verschanzen können.

Übrigens, lieber Herr Schäfer, das mit den anständigen Talarträgern glaube ich Ihnen gerne. Aber die haben den Weg Christi sicher nicht so ganz aufmerksam verfolgt. Der stand auf der Seite der Schwachen und hat auch seinen Mund gegen Pharisäer aufgemacht. Ich sehe immer nur einen, der öffentlich auf der Seite der Schwachen steht.

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Martin MITCHELL 10/12/2016 02:20

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Ich dokumentiere dies jetzt mal auch hier zum Zwecke der Vollständigkeit (ich hatte es schon einige Zeit vor der Sendung zur vorherigen Bekanntgebung vorbereitet).

Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND

ANFANG DES ZITATS EINES AUFSCHLUSSREICHEN BERICHTES AUS DEM NORDEN DEUTSCHLANDS.

NDR.de - Schleswig Holstein
Stand: 11.10.2016 05:00 Uhr - Lesezeit: ca.6 Min.

Medikamenten-Studien mit Schleswiger Heimkindern

[ @ http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamenten-Studien-mit-Schleswiger-Heimkindern,heimkinder168.html ]

von Eike Lüthje, Stefan Eilts [ siehe sein Profil @ http://www.ndr.de/wellenord/wir_ueber_uns/eilts150.html ], ConstantinGill [ siehe sein Profil @ http://www.ndr.de/wellenord/wir_ueber_uns/gill124.html ]

Wie sehr sich Franz Wagle überwinden muss, an diesen Ort zurückzukehren, zeigt sich erst später. Sein rauer Humor, seine körperliche Präsenz lassen ihn - trotz Gehstocks - selbstsicher wirken. Wagle war ein Heimkind, hat viele Einrichtungen erlebt. Auch im früheren Landeskrankenhaus Schleswig war er mehrmals. Nach 37 Jahren betritt er das Grundstück zum ersten Mal wieder. Zwischen den Backsteinbauten und Grünflächen kommen die Erinnerungen hoch: Säfte und Tabletten habe er bekommen, ohne sich krank zu fühlen. "Du bist festgehalten worden, Nase zugehalten, Tablette rein", sagt Wagle. Die Wirkung der Tabletten? Er sei "nicht mehr Herr seiner Sinne" gewesen und habe nicht gewusst, welcher Tag gerade war. Auch an EEG-Untersuchungen und Spritzen erinnert er sich. Später an diesem Tag wird er sagen, ihm hätten sich bei seinem Besuch in Schleswig die Nackenhaare aufgestellt.

[Fotos zeigen Franz Wagle – heute und damals]

Was ihm in Schleswig damals passiert sein könnte, hat Wagle erst Jahrzehnte später, im Gespräch mit anderen ehemaligen Heimkindern, einordnen können. Sie berichteten teilweise von ähnlichen Erlebnissen. Der Verdacht kam auf: War Wagle in Schleswig Teil von medizinischen Versuchsreihen?

50 Versuchsreihen in ganz Deutschland

Für seinen konkreten Fall lässt sich das bislang nicht sicher belegen. Dass es medizinische Studien in Heimen und auch in Schleswig gegeben hat, bestätigt nun aber erstmals eine wissenschaftliche Untersuchung. Die Krefelder Pharmazeutin Sylvia Wagner hat umfangreich Archive und historische Fachzeitschriften ausgewertet, in denen die Mediziner damals ihre Ergebnisse publizierten.

In einem Fachartikel hat Wagner nun erste Ergebnisse veröffentlicht [ siehe @ http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf ]. Insgesamt hat sie bundesweit Belege für etwa 50 Versuchsreihen gefunden, die bis in die 70er-Jahre in deutschen Heimen durchgeführt wurden. Auf Grundlage dieser Ergebnisse hofft sie, Zugang zu weiteren Archiven zu bekommen.

Zwei der rund 50 Studien lassen sich ins Landeskrankenhaus Schleswig zurückverfolgen. In der jugendpsychiatrischen Abteilung erprobte damals ein mittlerweile verstorbener Arzt zwei Medikamente. 1966 berichtete er in einer Fachzeitschrift von seinen Erfahrungen mit "Haloperidol". Das Medikament gibt es bis heute. Es wird bei Psychosen und schizophrenen Syndromen eingesetzt, zum Beispiel wirkt es gegen Wahnvorstellungen oder Halluzinationen. Das Medikament war seit 1958 auf dem Markt.

Versuche mit Psychopharmaka in Schleswig

In Schleswig startete der Mediziner einen Versuch mit 65 Kindern und Jugendlichen ab drei Jahren, bei denen "Zustände geistig-seelischer Behinderung im Sinne des Schwachsinns" festgestellt worden waren. Er wolle untersuchen, ob Haloperidol auch bei "psychomotorischen Erregungen" seiner Patienten eine Wirkung habe, hielt der Arzt in seiner damaligen Publikation fest. Offenbar sollte die sedierende, stark beruhigende Wirkung des Stoffes erforscht werden. Das Ergebnis der Studie: Der Wirkstoff helfe vor allem gegen "psychische Erregungszustände mit Neigung zu Aggressionen und Selbstbeschädigung" und auch bei "exzessiver Masturbation." auch bei "exzessiver Masturbation."

In einer zweiten Versuchsreihe testete der gleiche Mediziner 1969 den Wirkstoff Encephabol, der eine Leistungssteigerung des Gehirns bei "antriebsarmen Kindern (...) mit Hirnschäden" bewirken sollte. Das Mittel wird bis heute bei Demenzerkrankungen oder Konzentrationsstörungen eingesetzt. In Schleswig bekamen gleich 300 "geistig-seelisch entwicklungsbehinderte" Kinder den Wirkstoff als Saft verabreicht. Die Ergebnisse interpretierte der Mediziner positiv: Das Intelligenzniveau sei in günstigen Fällen um bis zu zehn Prozent angehoben worden.

ZITATE AUS DEN FACHAUFSÄTZEN ZU DEN VERSUCHSREIHEN [ingesamt fünf Auszüge aus diesen damaligen Schriftsätzen werden hier wiedergegeben! – der erste Auszug lautet:]
"Bei diesem Versuch (mit Haloperidol, d.Red.), dem bisher 65 Heranwachsende im Alter von 3-18 Jahren unterzogen wurden, die mehr oder weniger ausgeprägte Zustände geistig-seelischer Behinderung im Sinne des Schwachsinns zu erkennen gaben, stellten wir uns folgende Fragen:"
[für alle weiteren Auszüge siehe das ORIGINAL]

Für die Forscherin Sylvia Wagner ist das Vorgehen des Arztes in Schleswig bedenklich. Vor allem zwei Zitate aus dessen Studien stoßen ihr auf. So schreibt der Mediziner in einer Studie, er wolle klären, ob das Mittel toxische Eigenschaften hat. Und bei der anderen Testreihe geht es ihm auch darum, "die Grenzen der Medikation" sowie eventuelle Nebenwirkungen kennenzulernen. "Das sind ganz klare Versuchsbedingungen", interpretiert Wagner die schriftlichen Schilderungen des Arztes: "Es wurden EEG-Untersuchungen gemacht, es wurden Blutbildkontrollen gemacht, die Leberwerte wurden untersucht, Harnwerte bestimmt. Das sind ganz klar keine therapeutischen Maßnahmen, sondern Versuchsbedingungen."

Auch für Professor Philipp Osten, Medizin-Ethiker am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, waren die damaligen Patienten "Probanden eines Pharmaversuches." Zwar sei Encephabol als Wirkstoff eher unproblematisch - den Einsatz des stark sedierenden Haloperidols sieht er aber kritisch. Leider seien solche Mittel in Heimen damals nicht ungewöhnlich gewesen.

Rechtliche Bewertung ist schwierig

Wie aber sind die Versuchsreihen rechtlich zu bewerten? Diese Frage lässt sich mit den bisher bekannten Fakten nicht eindeutig klären. Ein gesetzliches Zulassungsverfahren für Medikamente gab es damals noch nicht. Allerdings weist Medizin-Ethiker Osten auf berufsständische Regeln wie den "Nürnberger Kodex" hin, der auch damals medizinische Versuche verbot, wenn keine Einwilligung der Betroffenen vorlag. Hinweise auf eine solche Einwilligung durch Eltern oder gesetzliche Vertreter der Kinder hat die Pharmazeutin Wagner für die Schleswiger Fälle bislang jedenfalls nicht gefunden. Der "Runde Tisch Heimerziehung", der in Berlin die Geschichte der deutschen Kinderheime aufgearbeitet hat, hatte keine Kenntnisse von solchen Versuchsreihen. Er hielt aber fest: Sollte es entsprechende Tests gegeben haben, könne das eine schwere Körperverletzung darstellen. Die Fälle wären aber heute verjährt.

Sozialministerium will Aufarbeitung vorantreiben

Der Verein der Heimkinder in Schleswig-Holstein fordert nun, die Geschehnisse aufzuklären und aufzuarbeiten. Unterstützung bekommen die Mitglieder von Wolfgang Dudda. Der Abgeordnete der Piratenpartei hat einen Antrag in den Landtag eingebracht und fordert darin auch eine Entschädigung: "Was den Heimkindern in Schleswig angetan worden ist, ist moralisch und ethisch so entsetzlich, dass sich alleine daraus schon eine Bringschuld für eine Wiedergutmachung durch das Land ergibt."

Im Kieler Sozialministerium kennt man die Schilderungen der ehemaligen Heimkinder. Allerdings seien die entsprechenden Akten in Schleswig nicht mehr vorhanden, so Staatssekretärin Anette Langner. Welche Heimkinder konkret welche Mittel bekommen haben, lasse sich nicht nachvollziehen. Das Ministerium setze sich aber für eine wissenschaftliche Aufarbeitung ein. Und ab 2017 können Betroffene Gelder aus einem Entschädigungs-Fonds beantragen. Im Maximalfall erhalten sie 9.000 Euro und außerdem eine Renten-Ersatzleistung von bis zu 5.000 Euro.

ENDE DES ZITATS EINES AUFSCHLUSSREICHEN BERICHTES AUS DEM NORDEN DEUTSCHLANDS.

Das Ganze kannn man sich auch in einem dazugehörenden Interview anhören (Länge: 3 Min. 4 Sek.), zu dem es in folgendem einleitenden Text heißt:

ANFANG DES ZITATS DER DAZUGEHÖRENDEN DIESBEZÜGLICHEN PROGRAMM-VORHERSAGE DES NDR.

Heimkinder berichten: Medizin gab es zwangsweise

NDR 1 Welle Nord - Guten Morgen Schleswig-Holstein - 11.10.2016 06:40 Uhr

In den 50er bis 70er-Jahren sind in Schleswig Psychopharmaka an Heimkindern getestet worden. NDR Redakteur Stefan Eilts hat in dem Fall recherchiert. Er spricht darüber mit Moderator Jan Bastick.

Schleswig-Holstein Magazin

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie heute Abend ab 19.30 Uhr im Schleswig-Holstein Magazin.

ENDE DES ZITATS DER DAZUGEHÖRENDEN DIESBEZÜGLICHEN PROGRAMM-VORHERSAGE DES NDR.
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Martin MITCHELL 10/15/2016 13:03

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Alles in Zusammenhang mit der (jetzt schon gelaufenen) in vorherigen Beiträgen erwähnten NDR.de - Schleswig Holstein Magazin Sendung vom 11.10.2016 um 19:30 Uhr:

ANFANG DES ZITATS EINES WEITEREN BERICHTES AUS DEM NORDEN DEUTSCHLANDS.

NDR.de - Schleswig Holstein
Stand: 11.10.2016 16:01 Uhr - Lesezeit: ca. 3 Min.

Medikamentenstudie an Schleswiger Heimkindern; Ruf nach Aufklärung

[ @ https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamentenstudie-an-Heimkindern-Ruf-nach-Aufklaerung,heimkinder192.html ]

von Constantin Gill [ siehe sein Profil @ http://www.ndr.de/wellenord/wir_ueber_uns/gill124.html ]

Warum ist das Unrecht bis heute nicht aufgeklärt? Wer ist verantwortlich? Wurde auch nach damaligen Kriterien gegen moralische Maßstäbe verstoßen? Das sind nur einige Fragen, die sich aufdrängen. CDU und FDP fordern [zumindest in Schleswig-Holstein] nach den NDR Berichten über Medikamententests an Heimkindern im ehemaligen Landeskrankenhaus Schleswig eine umfassende und transparente Aufklärung. Wolfgang Dudda von den Piraten findet, dass das Land eine moralische Verantwortung hat. Und fordert eine Entschädigung für die betroffenen Heimkinder.

Betroffene sollen von Fonds profitieren

Das Land [Schleswig-Holstein] stellt bereits eine Unterstützung in Aussicht: Der bestehende Fonds für Heimkinder soll laut Sozialstaatssekretärin Anette Langner für diejenigen geöffnet werden, die in Kinder- und Jugendpsychiatrien und in Behindertenheimen untergebracht waren – und dort Leid erfahren haben. Für Schleswig-Holstein wird eine Anlaufstelle beim Landesamt für soziale Dienste in Neumünster eingerichtet. Betroffene sollen einmalig bis zu 9.000 Euro und ebenfalls einmalig bis zu 5.000 Euro Rentenersatzleistungen bekommen können.

Eckhard Kowalke, des Vereins der ehemaligen Heimkinder in Schleswig-Holstein, nennt das einen "Witz." Damit gebe man sich nicht zufrieden. "Da sind Leute, die für ihr Leben beschädigt worden sind", sagt Kowalke. Er fordert neue Gespräche – und eine Aufarbeitung der Vorfälle.

Aufarbeitung geplant

Auch das Land ist an mehr Transparenz interessiert: Laut Staatssekretärin Langner soll es eine "systematische wissenschaftliche Aufarbeitung" geben. Es sei ein Signal für die Betroffenen, dass das, was sie erlebt hätten, auch zur Kenntnis genommen wird.

Medizinethiker verurteilen die damaligen Studien aus Schleswig. Professor Phillip Osten vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sieht eine "flächendeckende Anwendung von Haloperidol" im Schleswiger Krankenhaus durch die Untersuchung belegt. Das sei zur dieser Zeit leider nicht ungewöhnlich gewesen, so Osten. Dem Arzt gesteht er immerhin zu, selbst Zweifel am Sinn der Behandlung geäußert zu haben. "Hoch problematisch" findet Osten jedoch, dass der Arzt in einem anderen Test die Wirkung von Encephabol mithilfe von Blutabnahmen überprüfte – für eine Behandlung sei das nicht nötig gewesen. Für Osten ist klar: "Die Patienten dienten als Probanden eines Pharmaversuchs."

Medizinethiker: Hochproblematische Studien

Dieses Vorgehen ist aus Sicht von Professorin Alena Buyx besonders deshalb problematisch, weil es sich um Kinder und Jugendliche handelte. Die Medizinethikerin von der Uni Kiel verweist darauf, dass diese Gruppe besonders schützenswert ist – zumal es um Kinder mit psychischen Problemen – und um Heimkinder ging: "Eine Gruppe, bei der wir heute extrem vorsichtig wären, Forschung zu betreiben. Und wir würden das ausschließlich dann tun, wenn sichergestellt ist, dass das einen direkten Nutzen für diese Kinder hätte. Und dass es ihnen so wenig wie möglich schadet." Alena Buyx fordert, aus solchen Fällen zu lernen – und es heute besser zu machen.

Aus der Vergangenheit lernen. Das erhofft sich auch Sylvia Wagner. Die Pharmazeutin aus Krefeld hatte mit ihren Untersuchungen das Thema angestoßen. "Viele Kinder bekommen wieder Psychopharmaka, Ritalin zum Beispiel. Ich wünsche mir, dass man da eher andere Maßnahmen ergreift." Und auch die Diskussion um Versuche mit Demenzkranken findet Wagner vor diesem Hintergrund "erschreckend."

ENDE DES ZITATS EINES WEITEREN BERICHTES AUS DEM NORDEN DEUTSCHLANDS.