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Bundesregierung plant Euthanasie schwerstbehinderter Menschen

Posted on November 30 2016

Eine Bewohnerin eines Altenheims erstickte während des Essens. Es fehlte fachkundiges Personal, das im entscheidenden Augenblick die Dame aufgerichtet, nach vorn gebeugt und zum Abhusten angeregt hätte. Ein behinderter Junge ertrank in der Badewanne. Der Diensthabende verließ einige Zeit die Badestube. In der unmittelbaren Nachbarschaft erstickte Ursula G. vor einigen Jahren. Sie aß etwas, verschluckte sich daran, erbrach und erstickte letztendlich am Erbrochenen. Sie flüchtete noch auf die Terrasse, die sie sich mit einem Rollstuhlfahrer aus der Nachbarwohnung teilte. Dieser erkannte die bedrohliche Situation und rollte auf die Straße, um nach Hilfe zu rufen. Niemand hielt an. Ursula G. hätte noch leben können. Sie war schwerstbehindert, spastisch gelähmt und lag mehr in ihrem Rollstuhl, als sie saß. Gerade zur Zeit ihres Erstickens fehlte Personal. Sie bekam zwar Behindertenassistenz, aber längst nicht ausreichend.

Drei Todesfälle, die nicht geschehen wären, wenn ausreichendes und fachkundiges Personal eingeschritten wäre. Die Dunkelziffer an vermeidbaren Todesfällen ist wahrscheinlich sehr hoch und steigt mit wachsender Personaleinsparung im Pflegebereich.

In dem geplanten Teilhabegesetz wird die Behindertenassistenz unter Kostenvorbehalt gestellt. Wer zu hohe Kosten verursacht, bekommt die finanziellen Mittel gestrichen und wird aufgefordert, sich einen Heimplatz zu suchen. So wie Dirk Bergen, schwerstbehinderter, zusätzlich sprachbehinderter Rollstuhlfahrer, der nun zum zweiten Mal die Androhung der Streichung der Kostenübernahme für seine Assistenten erhielt. Dirk Bergen ist an die Öffentlichkeit getreten. Die Stadtverwaltung Freiburg/Breisgau steht unter erheblichem moralischen Druck.

Einige schwerstbehinderte Männer und Frauen müssen permanent abhusten. Ihre Bronchien sind verschleimt. Zu diesem Zweck müssen sie entweder seitlich gelagert oder nach vorn gebeugt werden, wobei der gelähmte Kopf in der Waagerechten zu halten ist, damit der Luftweg nicht zugedrückt wird. Diese Hustenreize entstehen meist spontan. Wird nicht umgehend darauf reagiert, sammelt sich das Sekret und droht in die Luftröhre gezogen zu werden. Ist also nicht sofortige Hilfe vorhanden, erstickt der betroffene Mensch. Im Heim steht keine sofortige Hilfe zur Verfügung!

Einige Schwerstbehinderte sind gar nicht in der Lage, einen Notrufknopf zu betätigen, weil ihnen die Kraft in den Fingern fehlt. Sie können keine Hilfe anfordern und sie befänden sich in permanenter tödlicher Gefahr, wenn keine Behindertenassistenz vorhanden wäre. Sicher wenige, aber doch einige schwerbehinderte Menschen leiden unter Durchfällen. Fehlt auch hier die sofortige Hilfe, findet der Stuhlgang im Bett statt. Damit beginnt die Entwürdigung eines Menschen. Er schämt sich. Er fühlt sich in seiner Würde verletzt, weil ihm nicht rechtzeitig geholfen werden konnte. So, wie sich Menschen in Behinderten- und Altenheimen fühlen, denen schon nach der morgendlichen Toilette eine Windel angezogen wird, weil kein schnelles Handeln möglich ist.

Wieder andere behinderte Menschen nehmen durchaus aktiv am öffentlichen Leben teil. Sie posten, wie Dirk Bergen, oder setzen sich für andere ein. Im Heim steht kein Personal zur Verfügung, das diese Bedürfnisse umsetzt. Die Menschen verkümmern, sind verzweifelt, möchten nicht mehr leben. So wie Dirk Bergen, dem jetzt schon der Appetit vergangen ist und der im Heim so wenig essen will, dass er an Unterernährung stirbt. Für ihn ist das Leben im Heim kein Leben mehr.

Die Umsetzung dieses Teilhabegesetzes mit der Einschränkung der Behindertenassistenz ist ein Beitrag zur Euthanasie schwerstbehinderter Menschen. Damit wird Euthanasie durch die Hintertür betrieben. Auch das Online-Magazin Kobinet meint: „Diese [Euthanasie] gibt es zwar nicht mehr, aber kommt die Euthanasie nicht in einer anderen Form durch, indem die Freiheit eines behinderten Menschen beschnitten werden soll?“

Wer die Hilfe nicht finanziert, treibt die Hilfsbedürftigen, in welcher Form auch immer, in den Tod. In den Tod durch unterlassene Hilfe in Notsituationen oder in den Tod durch Förderung der Vereinsamung und seelischen Verkümmerung von Menschen. Hier gilt ganz klar: Zuerst stirbt die Seele, dann der Mensch.

Der Bund, die Länder, die Gemeinden sollten nicht wieder zu Tätern werden. Die Aufarbeitung der Verbrechen an behinderten Heimkindern in den 60er und 70er Jahren sollte dazu ermahnen, diese Grausamkeiten, nun in anderer Gestalt, nicht zu wiederholen. Durch die Verhinderung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und durch die Fremdbestimmung im Bereich der Wahl des Wohnortes eines Behinderten entspricht die Umsetzung in dieser Form nicht den Behindertenrechtskonventionen der EU.

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