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Betroffenheitsgestammel: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bittet Psychiatrie-Opfer um Verzeihung.

Posted on February 12 2017

Mehr als heiße Luft lässt LWL-Direktor Matthias Löb nicht ab. Er bittet Opfer der Psychiatrie St. Johannes-Stift in Marsberg um Entschuldigung.

http://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=41115

Einen Abschnitt weiter wimmelt er sie ab. Sie könnten ja eventuell Entschädigung fordern. Er verweist auf die Stiftung „Anerkennung und Hilfe“, bei der Betroffene sich beraten lassen und finanzielle Unterstützung erhalten können. Dann protzt LWL-Direktor Löb mit Zahlen und Verweisen auf die bisherige Inanspruchnahme. Es bleibt abzuwarten, ob die durch Wegschauen Geschädigten diese Entschuldigung überhaupt annehmen.

Vor einigen Jahren hat sich sein Vorgänger Wolfgang Kirch bei den behinderten Heimopfern entschuldigt:

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Aktivitaten_der_Landschaftsver/Wolfgang_Kirch_LWL_Entschuldigung.wav

Mir ist nicht bekannt, dass ein Betroffener diese Entschuldigung annahm.

Entschuldigung kann nur wirksam werden, wenn Wiedergutmachung geleistet wird. Nicht nur in direkter Auszahlung von finanziellen Hilfen, sondern auch in Hilfen bei der Bewältigung des Alltags behinderter Menschen.

Wenn Schwerstbehinderte ins Krankenhaus kommen, benötigen sie Hilfe, die im Rahmen des Versorgungsvertrages zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern nicht abgedeckt werden können. Unter Umständen muss ganztägig eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger oder ein Auszubildender abgestellt werden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Hilfsbedürftige den Klingelknopf nicht bedienen können.

Bisher bezahlte der LWL vier Wochen Behindertenassistenz auch während eines Krankenhausaufenthaltes. Diese Anträge werden zunehmend abgelehnt. Direktor Löb dazu in einer E-Mail:

„Grundsätzlich ist für die Übernahme sämtlicher benötigter Pflegeleistungen während eines Krankenhausaufenthaltes immer das Krankenhaus zuständig (§ 39 Abs. 1 Satz 3 SGB V); umfasst sind damit auch die Grundpflege und die Körperpflege, Ernährung und zum Teil Mobilität. Sofern dem Krankenhaus die notwendige Ausstattung fehlt, um die Pflege zu gewährleisten, muss es sich ggf. der Hilfe Dritter bedienen. Die Aufnahme einer pflegebedürftigen Person kann auf keinen Fall dazu führen, dass diese für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes die Pflege selbst sicherstellen muss. Da für die Pflege im Krankenhaus nicht der LWL, sondern die Krankenkasse Kostenträger ist, scheidet eine Übernahme von Kosten für Pflegepersonen im Krankenhaus durch den LWL grundsätzlich aus. Eine generelle Bescheinigung, dass der LWL weitere Kosten im Krankenhaus übernimmt, vermag ich daher nicht auszustellen.“

Ich schrieb zurück:

1. Behindertenassistenz wird durch Sie finanziert, weil sie tatsächlich nötig ist.

2. Behindertenassistenz rund um die Uhr wird durch Sie finanziert, wenn sie tatsächlich nötig ist.

3. Weil Behindertenassistenz in vielen Fällen nötig ist, ist sie auch während der Krankenhausaufenthalte nötig.

4. Die Versorgungsverträge mit den Krankenhäusern sind auf Behinderte nicht abgestimmt.

4a) Das zusätzliche Personal steht nicht zur Verfügung

4b) Die erforderlichen Hilfsmittel sind oft nicht vorhanden und müssen aus der Wohnung herangekarrt werden

4c) Eine zusätzliche Pflegekraft für eine 24-Stunden-Betreuung steht keinem Krankenhaus zur Verfügung.

4d) Schwerbehinderte können oft nicht einmal die Klingel bedienen und wären hilflos ohne neben ihnen sitzende Assistenten.

5. Der Entzug von Behindertenassistenz bringt Behinderte in eine lebensbedrohliche Lage.

Es wurden Fallbeispiele aufgezeigt. So gäbe es solche, die ersticken könnten, wenn ihnen niemand beim Abhusten hilft. Dies passiert in der Form, dass der behinderte Mensch nach vorn gedrückt und ggf. auf dem Rücken abgeklopft wird. Andere Schwerstbehinderte können, wie erwähnt, den Klingelknopf nicht bedienen und damit keine Hilfe anfordern. Viele schwerstbehinderte Menschen müssen mehrmals tags und nachts umgelagert werden. Sie werden zur Seite gelegt oder zurück auf den Rücken. Ggf. muss das Gesäß auf der Matratze in Richtung Kopf oder in Richtung Füße verschoben werden. Solche Drehungen vollziehen nichtbehinderte Menschen im Schlaf. Die Lebensqualität Schwerstbehinderter im Krankenhaus ist in einigen Fällen auch dadurch eingeschränkt, dass sie die Fernbedienung des Fernsehers oder das Telefon einfach nicht bedienen kann. Schwerbehinderte benötigen bis zu einer Stunde Zeit zum Essen, weil sie sich sonst verschlucken und unter Hustenattacken bis hin zu Erstickungsanfällen leiden.

Von zehn mit einem Fragebogen angefragten Krankenhäusern im Ruhrgebiet hat nicht eines die Fragen zurückgeschickt. Sie beinhalten genau diese Probleme und münden in der Frage, ob zusätzliches Personal zur Verfügung stände.

Das ist ein Offenbarungseid, den Herr Löb fahrlässigerweise schlichtweg überliest. Soviel zur Wiedergutmachung.

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