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Haben behinderte Menschen einen Anspruch auf Sexualität? Wer zahlt die Erfüllung?

Posted on February 6 2017

Gestern Abend lief in ZDF Info die Dokumentation Knast in Deutschland. Sie ist noch wenige Tage abrufbar:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/knast-in-deutschland-strafe-liebe-hoffnung-102.html#autoplay=true

Dokumentiert wurde auch das Recht der Gefangenen auf das Ausleben ihrer Sexualität. Vier Mal im Monat dürfen sie für jeweils drei Stunden mit der Partnerin/dem Partner in ein Zimmer ohne Bewachung.

Die Gefangenen verfügen über Kontakte zum eigenen oder anderen Geschlecht. Für sie steht die Tür zur sexuellen Entfaltung offen.

Wie sieht es in den Behindertenheimen aus? Männer und Frauen, die dazu noch in der Lage sind, begnügen sich in der Regel mit der Masturbation. Handgelähmten ist dies nicht möglich. Sie träumen von dem, was nicht ist.

Hier stellt sich die Frage: Wie kann die Gesellschaft diesen Menschen das gelegentliche Ausleben der Sexualität ermöglichen? Es ist klar: Bezahlen kann sie die Prostituierten männlicher- oder weiblicherseits nicht. Wie bitte? Ist das wirklich so klar? Warum kann sie die Bezahlung nicht tragen, wo wir doch ein reiches Land sind? Ich habe dafür kein Verständnis. Andere fortschrittliche Länder sind weiter. Bei ihnen sind Sexualkontakte im Sozialhilfesatz enthalten. Längst nicht in der befriedigenden Anzahl, aber immerhin. Und das ist bei uns nicht möglich? Wie steht es mit der Würde des Menschen und dem Recht auf Sexualität? Google gibt die Antwort nach Eingabe der Begriffe “Recht auf Sexualität“. Was rechtens ist, sollte auch finanziert werden, weil sonst dieses Recht nur ein Papiertiger ist.

Unsere mehr und mehr verklemmte Gesellschaft wird die Politiker schon in die Zange nehmen und ihnen vermitteln, dass dies nicht Aufgabe der Gesellschaft sei.

Und da kommen die Kirchen zum Zuge. Die meisten Heime für behinderte Menschen stehen in kirchlicher Trägerschaft. Die jeweiligen Anstalten arbeiten mit Gewinn. Meist wird dieser Gewinn nicht in die Heimbewohner investiert, sondern in der Vermehrung der Einrichtung, sprich: der Expansion. Alles wird aufgekauft und unter den Deckel der Diakonie gestülpt. Und das hat nur einen Zweck: sich unverzichtbar machen. Seht her, wir tragen eure Lasten, liebe Gesellschaft. Dafür kommt ihr uns mit Kirchen- und Steuergeldern gewaltig entgegen.

Nähmen die Kirchen ihre soziale Aufgabe wahr, würden sie in ihre Schatulle greifen und solche sexuellen Dienstleistungen an ihren behinderten Bewohnern finanzieren. Geld ist reichlich da. Dann expandiert man eben weniger.

In diesem Jahr feiern wir 500 Jahre Reformation:

https://www.luther2017.de/de/

Martin Luther wird ein kluger Ratschlag in den Mund gelegt. Selbst wenn es eine Legende ist, sollte die Evangelische Kirche in diesem Jahr eine breite Spendierhose anziehen. Luther soll geraten haben: In der Woche zwier, schadet weder ihm noch ihr.

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