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Behinderte Heimopfer: Mut zum Selbstbewusstsein! Mut zum erhobenen Haupt!

Posted on April 22 2017

Mit diesen Zeilen möchte ich Sie, die behinderten Heimopfer, persönlich ansprechen:

Behinderte ehemalige Heimkinder haben in den Nachkriegsjahrzehnten teils unvorstellbare Gewalt erlitten. Sie wurden geschlagen, es wurden Trommelfelle zertrümmert, sie wurden sexuell gedemütigt und psychisch teils permanent in Angst und Schrecken versetzt.

Was ihnen angetan wurde, lässt sich nicht entschädigen. Aber man kann Wege zur Entschädigung ebnen. So könnte man materielle und finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, die die Folgeschäden aus dieser Heimzeit ansatzweise ausgleichen. Wer nicht geschult wurde, hat auch keine Chance auf dem Arbeitsmarkt gehabt – zumindest sehr viele Opfer nicht – und leben heute, im Alter, in Armut. Eine Opferrente könnte diese Armut mildern. Ein zertrümmertes Trommelfell kann mit einem Hörgerät versehen werden, das unauffällig, fast unsichtbar getragen werden kann. So ließe sich die Reihe der Beispiele fortführen.

 

Ihnen bietet man jedoch nur eins, Schweigegeld!

Es sind maximal 9.000€, die Ihnen geboten werden. Ob Sie diesen Maximalbetrag erhalten, steht in den Sternen.

Sie müssen blankziehen, sich quasi nackt ausziehen.

Sie müssen nämlich die an Ihnen verbrochenen Taten genau schildern. Auch solche, die den sexuellen Bereich, Ihre Intimsphäre, berühren. Und das vor fremden Menschen, zu denen Sie möglicherweise selbst während des Gespräches kein Vertrauen aufbauen. Vermeiden Sie Detailschilderungen, die Sie retraumatisieren können.

Diese Quälerei hat nur einen Zweck: Eingrenzung der Zahl der Antragsteller. Das ist kalkuliert: https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/11/20/die-landerminister-rechnen-damit-dass-lediglich-jeder-zehnte-von-90-000-einen-antrag-stellen-wird/

Man rechnet also damit, dass Sie möglichst gar keinen Antrag stellen.

Sie sollen die Folgeschäden beschreiben.

Wie soll ein geistig behinderter Mensch Folgeschäden beschreiben? Wie soll er beschreiben, dass er unter Hospitalismus leidet? Wie soll er beschreiben, dass ihn nachts undefinierbare Ängste quälen? Wie soll das damals vergewaltigte Mädchen beschreiben, unter welchen Folgeschäden es leidet? Weiß sie denn, dass möglicherweise ihre sexuelle Unlust und Zurückweisung des Ehemannes ihre Ursache eben in dieser Vergewaltigung haben? Wer hat sie darauf hingewiesen, wenn sie sich keiner psychologischen Behandlung unterzogen hat?

Sie werden erpresst! Wenn Sie den Antrag unterschreiben, besiegeln Sie auch die Tatsache, dass Sie nie wieder Entschädigung verlangen dürfen, wo auch immer. Die Devise heißt: Kassieren und das Maul halten!

Schlimmer noch. Zu Beginn der Befragung werden Sie abgeklopft. Haben Sie bereits Gelder aus dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) erhalten? Haben Sie bereits bei den kirchlichen Fonds kassiert? Oder haben Sie etwa bei dem Heimkinderfonds (Eingerichtet auf Empfehlung des „Runden Tisches Heimerziehung“.) die Hand aufgehalten?

Haben Sie Mut zur Forderung! Haben Sie Mut zur Frechheit!

Sagen Sie dem Befrager: „Ich erwarte 9.000€! Ich sehe diese lächerliche Summe eher als Schweigegeld an! Ich gehe in Berufung, wenn diese 9.000€ nicht auf meinem Konto liegen! Schon ein Auszug aus den erlittenen Qualen rechtfertigen die Höchstsumme. Ich werde erpresst, auf weitere Forderungen zu verzichten, sobald ich diesen Antrag unterschreibe!“

Unterschreiben Sie mit „u.V.“ vor der Unterschrift. Dieses Kürzel ist ein wenig bekanntes. Es heißt nämlich „unter Vorbehalt“. Damit geben Sie zu verstehen, dass Sie mit den Forderungen nicht gänzlich einverstanden sind und sich gegebenenfalls anders entscheiden.

Gehen Sie zu Ihrer örtlichen Presse und zu Ihrem Regional-Fernsehsender und beschweren Sie sich, wenn die Antragnehmer dieses „u.V.“ nicht akzeptieren wollen. Machen Sie Krach, denn diesen Krach fürchten die Nachlassverwalter der Täterorganisationen.

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