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Ehemaliges Heimkind posthum in den Hintern getreten - Skandal Landschaftsverband Rheinland

Posted on May 9 2015

Dierk Schaefers Blog

Wer zu früh stirbt, den bestraft der Heimfond

Posted in Ethik, heimkinder by dierkschaefer on 8. Mai 2015

Für eine Beerdigung will der Heimfond-LVR-Köln nicht zahlen: der Verstorbene hat sie nicht bestellt.

Dumm gelaufen. Dem Verstorbenen wird es wohl nichts mehr ausmachen, doch die Verwalter des Fonds stehen jetzt dumm da. Pietätlosigkeit ist ein Makel. Doch diese Sorte Mensch hat ein dickes Fell. Wer bürokratisch korrekt handelt, hat sich nichts vorzuwerfen und lässt Vorwürfe folglich von sich abprallen.

»Als ehemaligem Heimkind stand Hermann-Josef Humeny Geld aus dem Hilfsfonds Heimerziehung zu. 9500 Euro waren ihm bewilligt worden. Nun ist er gestorben. Das Geld darf nicht für seine Bestattung verwendet werden.«[1]

Der im Artikel genannte Uve Werner mailt ergänzend:

»In diesem Artikel wurde nicht erwähnt, das der Verstorbene auch eine Vereinbarung über 11.000 Euro Rentennachzahlung (für Kinderarbeit) abgeschlossen hat, welche ebenfalls nicht zur Anwendung kommt, falls nicht noch irgendwelche Angehörige ausfindig gemacht werden. Uns ging es auch hauptsächlich darum, das zumindest die 9.500 Euro aus der Bedarfsliste, jetzt für eine würdige Beerdigung eingesetzt werden können, … [damit] ihm die Würde zuteil wird, welche ihm zu Lebzeiten genommen wurde.«

[1] http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/feilschen-um-ein-wuerdiges-begraebnis-aid-1.5070602

Kommentar:
In meinem langen Leben habe ich des öfteren „Pferde vor der Apotheke kotzen“ gesehen. Jahrelange Jugendarbeit, Freizeitarbeit, Altenarbeit, Behindertenarbeit, Sozialarbeit und Öffentlichkeitsarbeit hinterlassen ihre Spuren.
Aber die Haare zu Berge standen mir nur dreimal. Das erste Mal, als ich die Schilderung einer heute älteren Frau laß, die als Kind von einer Nonne nachts aus dem Bett gezogen und durchs Treppenhaus in den Hausgarten gezerrt wurde: Du gräbst jetzt hier dein eigenes Grab und legst dich dort rein und dann schaufele ich dich zu!
Als ich die Betrügereien, Verlogenheiten, Tricksereien und Übertöpelungen sogenannter, ausgesuchter Heimopfervertreter und zuletzt die Erpressung dieser hilflosen und überforderten „Vertreter“ beobachtete, standen mir zum zweiten Mal die Haare zu Berge. Können Diener im Namen des Herrn wirklich so schlecht sein? Ja! Und das ohne schlechtem Gewissen.
Das dritte Mal standen mir gestern um Mitternacht die Haare senkrecht. Da lungert ein Antrag Wochen oder Monate bei den Gremien nach dem Motto: Erst mal aussitzen. Je mehr den Arsch zusammengekniffen haben, desto billiger wird es für uns. Dann endlich bekommt das geschändete Heimkind eine Zusage für eine sogenannte Widergutmachung, die höchstens 10.000 Euro beträgt und eine weitere Demütigung und Ohrfeige für die Opfer darstellt. Im Onlineartikel steht nicht, dass der Verstorbene sogar wegen der Kinderzwangsarbeit einen verlogenermaßen als Rentenausgleich genannten Betrag erhält. Somit soll er nach Informantenkreisen an die 18.000 Euro erhalten.
Leider verstarb das Opfer H., das sexuellen Missbrauch, Isolierhaft, Schläge, Essensentzug und Zwangsarbeit erleiden musste, zu früh. Und es unterlief ihm nach vorliegenden Informationen ein folgenschwerer Fehler:
„Da Herr H. diesen Wunsch, dass das Geld im Falles seines Todes für seine Beerdigung ausgezahlt werden soll, nicht eindeutig geäussert hat, kann das Geld nicht zur Auszahlung verwendet werden und verbleibt im Fond Heimerziehung-West (1945-1975)."
Ein ehemaliges Heimkind, das nie gelernt hat, die Stricke der Bürokratie zu erkennen und ihnen aus dem Wege zu gehen, soll dafür, dass es keine ordentliche Ausbildung bekam, sich arm durchs Leben schlagen musste, und Mühe hatte, seine Erlebnisse zu verkraften, darunter leiden, dass er sich „nicht eindeutig geäußert hat“.
Wie schamlos muss man sein, um einem ehemaligen Heimkind ein drittes Mal - und nun hier posthum - Gewalt anzutun? Man ergreift niederträchtig die Chance eines kleinen Fehlers, um mal eben eine zweistellige Summe einzusparen. Wenn beim Landschaftsverband Rheinland nicht nur Robotter sitzen - die ohne Hirn entscheiden, von denen man keine Moral erwarten kann - sondern auch Menschen, dann hätten die einen Weg gefunden, diesen angeblichen Fehler schlicht zu übersehen.
Das erste Mal wurde H. Opfer, weil der Landschaftsverband Rheinland und untere Behörden in ihrer Aufsichtspflicht völlig versagt haben. Sie haben H. in verschiede Heime entsorgt und sich einen Dreck um ihn gekümmert. Wahrscheinlich hat niemals ein Amtsvertreter – und wenn ja, war immer Personal des Hauses zugegen - nach seinem Befinden befragt. Oft wusste man, dass die Heime eher schlecht als recht sind. Hauptsache, man hat den Klienten vom Tisch.
Der LVR und Co. , die mit ihrem Versagen die Verbrechen erst ermöglicht haben, zahlen keine Entschädigung. Feige und schamlos verschanzen sie sich hinter den Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung und den entsprechenden Beschlüssen des Bundestages. Zusätzlich liegen die Anträge oft monatelang auf irgendwelchen Beamtenschreibtischen, die ihre Versorgung längst in der Tasche haben und denen das Leid der Opfer anscheinend am Auspuff vorbei geht.
Ich kann in diesem und ähnlichen Fällen nur eine völlig verkommene Moral diagnostizieren.
09.05.2015

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