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"Papa, wenn du aufhörst, gewinnen die Schweine schon wieder! Lasse das nicht zu, Papa!".

Posted on May 1 2016

"Papa, wenn du aufhörst, gewinnen die Schweine schon wieder! Lasse das nicht zu, Papa!".


Wer diesen Satz liest, ist erst einmal entsetzt. Da werden offensichtlich Menschen als Schweine bezeichnet. Wer allerdings den Kontext, in dem dieses Zitat eingebettet ist, liest, versteht diesen Gefühlsausbruch und entwickelt langsam nicht nur Verständnis, sondern auch Empathie mit dieser Person – die zu Papa spricht.

Der Vater ist ehemaliges Heimkind. In seiner E-Mail schreibt er: „Ich kam als Schulverweigerer ins Kinder-KZ, weil ich mich nicht länger von der Nazisau von Lehrer blutig prügeln ließ.“ Der Schreiber weiter: „Nach 10 Monaten KZ-Zeit hatte mein Vater den Spuk beendet, ein Jugendamtsleiter war suspendiert, der prügelnde Lehrer strafversetzt.“ Es ist bekannt, dass einige Kinderheime Personal beschäftigten, das zuvor in KZs gearbeitet hat.
Er resümiert: „Andere Opfer hatten keinen Vater, der für sie kämpfte, die Folgen kennen wir zur Genüge.“

Die Folgen kennt er. Denn auch für diese Gruppe Heimopfer der Erziehungshilfe setzt er sich ein und das ziemlich erfolgreich. Die Arbeit sei sehr schwer, meint der Schreiber und in vielen anderen Schriftsätzen im Internet schildert er das Gebaren der „Opfer-Vertreter“ oder „Opfer-Schützer“. Zu diesen Begriffen haben viele Heimopfer gefunden, die den „Runden Tisch Heimerziehung“ (RTH) von 2008 bis 2010 unter dem Vorsitz der Theologin Antje Vollmer beobachtet haben.
Prof. Dr. Manfred Kappeler, Erziehungswissenschaftler und ehemaliger Heimleiter hat in seinem Zwischenbericht
(http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Kappeler_zu_ZB_RTH.pdf)
und in dem Abschlussbericht (https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2010/12/kritik_endbericht_rth_zwischen-den-zeilen-iii.pdf)
sowie auf der Seite
(http://www.ex-heimkinder.de/Dokumente/Abschlussbericht.pdf)
zur Arbeit des RTH Stellung genommen und dabei zahlreiche Manipulationen aufgedeckt. Auf der Homepage des Dipl.-Theologen/Dipl.-Psychologen Dierk Schäfer (https://dierkschaefer.wordpress.com)
finden sich gleiche Beobachtungen. Auch die Freie Arbeitsgruppe JHH 2006 hat auf ihrer Homepage diese Täuschungen, Verdrehungen, Fakten-Unterschlagungen und Lügereien dokumentiert.
https://dierkschaefer.wordpress.com und http://gewalt-im-jhh.de/Runder_Tisch_-_Informationen_u/runder_tisch_-_informationen_u.html
So diente die Arbeit des Runden Tisches, an dem nur 3 ausgesuchte Opfer mitwirken durften und diese einer Übermacht an Juristen gegenüber saßen, lediglich der Schadensminimierung und Entschädigungsbegrenzung.

Dann lese ich in der E-Mail: „Ich schöpfe meine Kraft aus meinem Familienleben, habe gut geratene Kinder und 3 Enkelkinder ...“ Seine Tochter sei der eigentlich treibende Kraftquell. „Wenn ich manchmal fast am Thema Heimkinder und [an] den über meinen Tisch gehenden Schicksalen verzweifele, sagt sie immer ‚Papa, wenn du aufhörst, gewinnen die Schweine schon wieder! Lasse das nicht zu, Papa!’“ Der Schreiber „mit der großen Fresse ist privat ein völlig anderer Mensch ...“ gibt er mir zu verstehen.

Er verrät das verzweifelte Denken seiner Tochter: "Was sind das doch für ekelhafte Menschen, die zwingen dich zu Umgangsarten, die überhaupt nichts mit deinem Inneren gemein haben". Und weiter lese ich: “Es widert sie an, dass ich nur mit dem Gossenniveau zu Erfolgen kam. Ich war genau so fassungslos, als ich merkte, wie primitiv diese Kirchenganoven denken und handeln. Darauf stellte ich meine Töne ab und von da an lief es komischerweise.“

An dieser Stelle kehrte ich in mich und begann, über den Begriff „Mensch als Schwein“ zu sinnieren. 2006 begann ich, mich mit den Schicksalen der ehemaligen Heimkinder in den Nachkriegsjahrzehnten zu beschäftigen. Ich las Kindheitserinnerungen und eine ließ eines Nachts meine Kopfhaut kribbeln und ich bekam das Gefühl, dass mir die Haare zu Berge stehen. Eine jetzt ins Alter gekommene Dame erzählt: Die Nonne habe sie als Kind nachts aus dem Bett gezerrt, durch den Hausflur gezogen, in den Heimgarten gestellt, ihr eine Schüppe in die Hände gedrückt und sinngemäß gesagt: Du schaufelst jetzt dein eigenes Grab; und wenn das fertig ist, legst du dich hinein und ich grabe dich zu.

In den ersten Folgejahren erwischte ich mich nachts mit vielen schlaflosen Stunden. Da war der Priester, der einem Ministranten in der Sakristei solange das Glied manipulierte, bis es in seiner Hand ejakulierte. Mangels Handwaschbecken wischte der Priester diese Feuchtigkeit irgendwo ab und legte im Rahmen der Messe den Gläubigen Hostien auf die Zunge.

Gleich eine ganze Horde von Schweinen unter dem Dach der evangelischen Kirche hat Marianne in ihren Kindheitsjahren gequält: Zwei Diakonissen, zwei Lehrerinnen, ein Versager als Anstaltsleiter, der das Leid der Kinder ignorierte. Für ihn zählten nur gute Noten im Religionsunterricht. Hier Mariannes Leiden:
http://gewalt-im-jhh.de/Erinnerungen_MB/erinnerungen_mb.html
Wer in das „Herz der Finsternis“ blicken
http://gewalt-im-jhh.de/Bericht_der_Historiker_Prof__S/bericht_der_historiker_prof__s.html
und die „Hölle auf Erden“ mitempfinden möchte, lese sich alle „Erinnerungen“ durch.
Inzwischen bin ich abgehärteter, aber ich weiß, was der E-Mail-Schreiber fühlt. Diese wenigen Beispiele zeigen: Da waren Schweine am Werk. Oft verbrecherische Schweine. Aber es gibt auch die moralischen Schweine und die verschont der Schreiber öffentlich nicht: Mitwirkende am RTH; Entscheider in den Anlaufstellen zur sogenannten, und wirklich sogenannten, „Opferentschädigung“; Fonds-Einzahler aus Bund, Ländern und Kirchen; Rechtsnachfolger von Heimen, die sich mit den Verbrechern gemein machen und versuchen, sie zu schützen.

Unter Letzteren sind aber auch „vom Saulus zum Paulus“ Bekehrte festzustellen. Ein Anstaltsleiter – sein Vorgänger schoss zunächst gegen die Opfergruppe – las all die furchtbaren Berichte über die Geschehnisse in seiner Einrichtung. In der Folge passierte: Beauftragung eines Forscherduos, das von der Arbeitsgruppe akzeptiert wurde, ein Buch in nun zweiter Auflage mit kompletter HP der Opfergruppe auf CD, Benennung eines Kinderheims nach einem Opfer, Hinweis auf der hauseigenen Internetpräsenz auf das schwarze Kapitel der Anstalt mit Verlinkung zur HP der Opfergruppe, großzügige Einzelfallhilfe.
http://gewalt-im-jhh.de/Gewalt_in_der_Korperbehinderte/gewalt_in_der_korperbehinderte.html und
http://www.esv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=104&Itemid=32

Andere Anstaltsvorstände suchen immer noch nach Entschuldigungen für das damalige Versagen: Der Zeitgeist, Personalmangel, wenig Geld – und man kann die vielen Ausflüchte kaum noch zusammenfassen.
Lieber E-Mail-Schreiber, ich stimme in die Forderung Ihrer Tochter ein: Kämpfen Sie weiter, damit die unterschiedlichen Sorten Schweine nicht noch einmal gewinnen!

Mit Hochachtung für Ihre Tochter
Helmut Jacob
28.04.2016
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